Hermann-Röchling-Höhe heißt jetzt Röchlinghöhe

Wie von CDU, SPD und FDP beantragt, hat der Völklinger Stadtrat am 31. Januar 2013 die Umbenennung des Stadtteils Hermann-Röchling-Höhe in Röchlinghöhe beschlossen.

Die CDU-Stadtratsfraktion hält diese Umbenennung für notwendig und richtig. In der Stadtratssitzung im Juni des vergangenen Jahres gab es noch keine eindeutige Mehrheit im Stadtrat für eine Lösung in dieser Sache, der Name Röchlinghöhe war zu diesem Zeitpunkt noch nicht mehrheitsfähig. CDU und SPD als die beiden größten Fraktionen haben sich in der Folge entschieden, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und nach endlosen Diskussionen eine tragfähige Lösung zu finden.

Das Ergebnis, der Name Röchlinghöhe, ist ein Kompromiss zwischen den beiden Maximalforderungen Beibehaltung des alten Namens einerseits und gänzliche Tilgung des Namens Röchling andererseits. Zur Natur eines Kompromisses gehört für die Beteiligten, von bisherigen Positionen abzurücken; für die CDU-Fraktion bedeutet dies ein Abrücken von der bisherigen Forderung nach Durchführung einer Einwohnerbefragung.

Für die CDU-Stadtratsfraktion ist die Entscheidung allerdings mehr als nur ein Kompromiss, wir stehen auch in der Sache zu dieser Umbenennung.

Es gibt zwar seit 60 Jahren keine neuen Erkenntnisse zur Person Hermann Röchling, auch seine Rolle während des Nationalsozialismus war bekannt. Geändert hat sich aber die Sichtweise auf ihn: Früher stand dessen Wirken für den Aufbau der Völklinger Hütte und damit für die Stadt im Vordergrund, vor allem auch von den Arbeitern des Stahlwerks wurde er wegen verschiedener Sozialeinrichtungen regelrecht verehrt. Heute beschäftigen wir uns vor allem mit seinem Verhalten in der Zeit des Nationalsozialismus, was allzu lange verdrängt wurde. Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass Hermann Röchling als einer der wichtigsten Industriellen seiner Zeit persönlich Verantwortung trug für die Unrechts- und Kriegspolitik des Hitler-Regimes. Auch hatte er Mitverantwortung für die Zustände etwa im Lager Etzenhofen und damit Mitverantwortung für Hunger, Krankheit, Folter und Tod von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern.
Wegen dieser Mitschuld an Kriegsverbrechen wurde er 1949 von einem französischen Militärgericht verurteilt. Und wegen dieser Mitschuld an Kriegsverbrechen soll er auch kein Namensträger für einen Stadtteil mehr sein.
Falsch ist aus unserer Sicht aber die Forderung, den Namen Röchling gänzlich zu streichen.

Die Geschichte der Familie Röchling beginnt nicht erst 1933. Die Röchlings waren als Unternehmer seit Anfang des 18. Jahrhunderts im Gebiet des heutigen Saarlands und seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in Völklingen aktiv. Ohne sie gäbe es weder das Weltkulturerbe Völklinger Hütte noch die Stadt Völklingen in ihrer heutigen Gestalt!

Die gesamte Familie Röchling wegen Verfehlungen und Verbrechen einzelner Mitglieder unter Generalverdacht zu stellen, käme der sogenannten „Sippenhaftung“ gleich, wie sie nur in Diktaturen üblich und in Deutschland seit 1945 abgeschafft ist. Die Streichung des Namens Röchling würde zudem eine Flucht aus unserer Geschichte bedeuten. Stattdessen werden wir uns für die seriöse Aufarbeitung dieses Teils unserer Geschichte hier in Völklingen einsetzen, was die Rolle der Unternehmerfamilie und besonders von Hermann Röchling betrifft. Hierbei sollten besonders auch Zeitzeugen befragt werden sowie diejenigen, für die die damaligen Ereignisse Teil ihrer Familiengeschichte sind, also etwa die Einwohner der Röchlinghöhe.

Einen entsprechenden Vorschlag von Prof. Grewenig vom Weltkulturerbe Völklinger Hütte aus dem vergangenen Sommer zur Aufarbeitung dieses Teils unserer Stadtgeschichte hat die CDU-Fraktion bereits damals unterstützt und ihre Beteiligung zugesagt, ebenso unterstützen wir den Antrag der SPD-Fraktion zur geschichtlichen Aufarbeitung.

Wir haben schwierige Diskussionen hinter uns. Ähnlich emotionale Themen gibt es in der Kommunalpolitik nur selten, die Bergschäden und das Ende des Bergbaus unter Völklingen gehörten etwa dazu.

Es ist aber leider anmerken, dass kaum je in einer Debatte so viel Maßlosigkeit, bornierte Kompromisslosigkeit und Intoleranz zu beobachten war, wie in dieser, und dies vor allem im linken und linksextremen Umfeld.

Die „Bürgerinitiative gegen das Vergessen“ hat in den letzten Wochen mit der beständigen Diffamierung und Beleidigung Andersdenkender als Nazis und „brauner Pöbel“ ihrem Anliegen keinen Gefallen getan und sich damit selbst ins politische Abseits gestellt. Das ist nicht hinnehmbar, so kann diese Gruppierung jedenfalls kein ernstzunehmender Ansprechpartner für uns sein.

Was wir alle aus dieser Diskussion vor allem lernen sollten ist, dass Nächstenliebe, Meinungsfreiheit und Toleranz nicht nur Sonntagsreden, sondern auch unseren Umgang miteinander bestimmen sollten!

Stefan Rabel
Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion